Sexuelle Probleme nach der Geburt

Sexuelle Probleme nach der Geburt

Nach der Geburt erlebt der weibliche Körper viele körperliche und emotionale Veränderungen. Eines der Themen, über die am wenigsten gesprochen wird, sind jedoch sexuelle Probleme nach der Geburt … Schmerzen, Lustlosigkeit, Scheidentrockenheit, Ängste wegen der Naht oder das Gefühl, sich selbst fremd zu sein …

Mit einer Geburt kommt nicht nur ein Baby zur Welt, sondern auch der neue Körper und die neue Identität einer Frau. In dieser Zeit des Wandels erleben Frauen viele körperliche und emotionale Veränderungen. Ein Thema wird dabei jedoch oft stillschweigend übergangen: Sexualität nach der Geburt.

Veränderungen im Sexualleben nach der Geburt sind sehr häufig. Viele Frauen erleben vaginale Schmerzen, Scheidentrockenheit, sexuelle Unlust, Empfindlichkeit an der Naht oder Gefühle wie „Ich fühle mich nicht mehr als Frau“. Das ist häufig, muss aber nicht als normal hingenommen werden – denn diese Beschwerden lassen sich meist gut behandeln.

Was sind die häufigsten sexuellen Probleme nach der Geburt?

Nach der Geburt können Frauen eines oder mehrere der folgenden Probleme erleben:

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

  • Scheidentrockenheit

  • Vermindertes sexuelles Verlangen

  • Empfindlichkeit oder Angst im Bereich der Naht

  • Unbehagen bei Berührungen im Genitalbereich oder deren Vermeidung

  • Schwierigkeiten, zum Orgasmus zu kommen, oder Gefühlsverlust

Diese Beschwerden können körperliche wie emotionale Ursachen haben und hängen oft eng mit dem Beckenboden zusammen.

Was sind die Ursachen dieser Probleme?

  1. Hormonelle Veränderungen: Vor allem in der Stillzeit sinkt der Östrogenspiegel, was zu Scheidentrockenheit und Empfindlichkeit führen kann.

  2. Geburtsverletzungen: Scheidenrisse, ein Dammschnitt (Episiotomie) und Nähte können während der Heilung Schmerzen und eine empfindliche Haut verursachen.

  3. Veränderungen der Beckenbodenmuskulatur: Nach der Geburt kann diese Muskulatur geschwächt, zu locker oder im Gegenteil übermäßig angespannt sein. Das kann Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Spannungen im Beckenbereich verursachen.

  4. Verändertes Körperbild: Frauen nehmen ihren Körper nach der Geburt oft anders wahr, was Selbstwertgefühl und Sexualität beeinflussen kann.

  5. Erschöpfung und Stress: Körperliche Erschöpfung, Schlafmangel und die emotionale Belastung nach der Geburt können dazu führen, dass sich eine Frau von der Sexualität zurückzieht.

Wann sollte das Sexualleben wieder „normal“ sein?

Der Weg zurück zur Sexualität verläuft bei jeder Frau anders. Medizinisch ist Geschlechtsverkehr 6 Wochen nach der Geburt wieder erlaubt, doch das heißt nicht, dass die körperliche Heilung abgeschlossen ist. Halten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Lustlosigkeit länger als 3–6 Monate an, ist professionelle Unterstützung zu empfehlen.

Was kann man tun?

Diese Probleme lassen sich bewältigen. Physiotherapie und Beckenbodenrehabilitation sind ein sehr wirksamer Ansatz bei sexuellen Funktionsstörungen nach der Geburt.
Mit Physiotherapie können:

  • die Beckenbodenmuskulatur untersucht und individuelle Übungen geplant werden

  • das Narbengewebe (Nahtbereich) behandelt werden

  • Verspannungen gelöst werden, die vaginale Schmerzen verursachen

  • die Körperwahrnehmung durch Atem-, Entspannungs- und Berührungstherapien gestärkt werden

  • Sie dabei unterstützt werden, Ihrem Körper wieder zu vertrauen

Sexualität geht nach der Geburt nicht vollständig verloren. Sie muss vielleicht nur entsprechend den neuen Bedürfnissen Ihres Körpers neu definiert werden.

Wenn auch Sie in dieser Zeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Sie sind damit nicht allein. Mit den richtigen Informationen und professioneller Unterstützung können Sie wieder selbstbewusst zu Ihrer Sexualität zurückfinden.

Sexuelle Probleme nach der Geburt FAQ

Medizinisch ist Geschlechtsverkehr 6 Wochen nach der Geburt erlaubt. Das bedeutet aber nicht, dass jede Frau zu diesem Zeitpunkt bereit ist. Viele Faktoren wie körperliche Heilung, hormonelles Gleichgewicht, seelische Verfassung und die Gesundheit des Beckenbodens sind von Frau zu Frau unterschiedlich.

In den ersten Wochen kann eine leichte Empfindlichkeit auftreten, anhaltende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) sind jedoch nicht normal. Ursache können Nahtnarben, Scheidentrockenheit oder eine verspannte Beckenbodenmuskulatur sein. Mit Beckenbodenphysiotherapie lässt sich dies meist gut beheben.

Ja, vor allem in der Stillzeit sinkt der Östrogenspiegel. Das kann zu Scheidentrockenheit, Empfindlichkeit und Lustlosigkeit führen. Auch Erschöpfung, Schlafmangel und ein verändertes Körperbild können eine Rolle spielen.

Narbengewebe (Nahtnarbe) im Dammbereich kann berührungsempfindlich sein oder ein Spannungsgefühl verursachen. Das kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und zu Vermeidungsverhalten führen. Mit speziellen Techniken wie der Narbenmobilisation lässt sich diese Empfindlichkeit verringern.

Die Beziehung zum eigenen Körper kann sich nach der Geburt verändern. Veränderungen an Bauch, Brüsten oder Scheide können beeinflussen, wie eine Frau mit Sexualität umgeht. Diese Gefühle sind sehr verbreitet und können durch Körperwahrnehmung, körperliche Unterstützung und psychologisches Bewusstsein wieder ins Gleichgewicht kommen.

Dahinter kann eine unwillkürliche Anspannung der Beckenbodenmuskulatur stecken. Eine verspannte Beckenbodenmuskulatur führt sowohl zu Schmerzen als auch zu Vermeidung. Damit sich die Muskulatur entspannen und richtig arbeiten kann, ist eine professionelle Untersuchung zu empfehlen. Atem- und Entspannungsübungen sowie Physiotherapie sind hier sehr wirksam.

Ja. Auch ohne vaginale Geburt können nach einem Kaiserschnitt eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, Empfindlichkeit im Bauchbereich oder hormonelle Veränderungen das Sexualleben beeinträchtigen.

Wenn Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Trockenheit, Lustlosigkeit oder Vermeidung länger als 2–3 Monate anhalten und Ihren Alltag, Ihre Partnerschaft oder Ihr Körperbild beeinträchtigen, sollten Sie sich Unterstützung bei einer spezialisierten Beckenbodenphysiotherapeutin oder einer anderen medizinischen Fachperson holen.

Tuğçe Atalay

Autorin: , Fachphysiotherapeutin

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Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und Ihre Physiotherapeutin oder Ihren Physiotherapeuten.

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