Chronische Beckenschmerzen

Chronische Beckenschmerzen

Lang anhaltende Schmerzen im Unterbauch, in der Leiste, im Analbereich oder im Genitalbereich sind oft nicht nur ein örtliches Problem, sondern können mit einer Sensibilisierung des gesamten Beckensystems und Nervennetzes zusammenhängen. Bei Frauen stehen sie häufig im Zusammenhang mit Endometriose oder Funktionsstörungen der Beckenmuskulatur, bei Männern mit dem chronischen Beckenschmerzsyndrom (auch chronische Prostatitis genannt). Typisch sind dabei Muskelverspannungen, eine erhöhte Nervenempfindlichkeit und eine gestörte Muskelkoordination. Die Beckenbodenphysiotherapie setzt sowohl am Bewegungsapparat als auch am vegetativen Nervensystem an und konzentriert sich darauf, die Ursache der Schmerzen zu verstehen und die Funktion wiederherzustellen. Auch Schmerzen, deren Ursache lange nicht gefunden wurde, lassen sich mit einer ganzheitlichen Untersuchung und individueller Therapie in den Griff bekommen.
Tuğçe Atalay

Wenn der Schmerz nicht vergeht, kann der Beckenboden die Ursache sein.

Was sind chronische Beckenschmerzen?

Wiederkehrende oder ständige Schmerzen in der Leiste, im Unterbauch, im Genitalbereich, am Steißbein oder rund um den After, die länger als 6 Monate anhalten, werden bei Frauen wie Männern als „chronische Beckenschmerzen“ bezeichnet. Oft gibt es nicht nur eine Ursache; die Schmerzen können aus dem Zusammenspiel vieler Systeme entstehen, etwa des Bewegungsapparats, des Nervensystems, der Harnwege oder des Verdauungssystems.

Warum entstehen sie, und warum vergehen sie nicht?

Geburtsverletzungen, Operationen, frühere Infektionen, Darmprobleme, empfindliche Harnwege, Muskelverspannungen und sogar Stress und emotionale Anspannung können diese Schmerzen auslösen. Je länger der Schmerz anhält, desto mehr verändert sich auch die Wahrnehmung zwischen Gehirn und Körper – der Schmerz ist dann nicht mehr nur ein körperliches Problem, sondern hat sich im Nervensystem festgesetzt.

Wie hilft Physiotherapie bei der Heilung?

Die Beckenbodenphysiotherapie bietet einen vielseitigen Ansatz: Untersuchung der Muskulatur, ein ausgewogenes Verhältnis von Entspannung und Aktivierung, Atemübungen, Regulation des Nervensystems und Haltungswahrnehmung. Mit dieser individuell geplanten Therapie verbessert sich die Lebensqualität, indem sowohl die Ursache der Schmerzen angegangen als auch der Umgang mit ihnen erlernt wird.

Häufig und gut behandelbar

Studien zufolge treten chronische Beckenschmerzen bei 15–20 % der Frauen und 2–10 % der Männer auf; bei Frauen hängen sie häufig mit Endometriose und muskulären Funktionsstörungen zusammen, bei Männern mit der chronischen Prostatitis bzw. dem chronischen Beckenschmerzsyndrom.

"Nach dem Wasserlassen bleibt ein seltsames Brennen und ein Völlegefühl zurück."
"Ich habe ständig ein Druck- und Schweregefühl im Unterbauch."
"Es wurden unzählige Untersuchungen gemacht, und nichts wurde gefunden."

Chronische Beckenschmerzen FAQ

Es sind Schmerzen im Unterbauch, in der Leiste, im Analbereich oder im Genitalbereich, die länger als 6 Monate anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Sie können von Muskeln, Nerven, der Blase oder dem Darm ausgehen.

Ja, denn die Ursache von Schmerzen ist nicht immer strukturell. Auch funktionelle Störungen des Bewegungsapparats, eine erhöhte Nervenempfindlichkeit und Stress können Schmerzen aufrechterhalten.

Untersuchungen der Prostata sind meist unauffällig, und in den meisten Fällen liegt weder eine Infektion noch eine Entzündung vor. Die Diagnose „chronische Prostatitis“ oder „chronisches Beckenschmerzsyndrom“ hängt mit Verspannungen der Beckenbodenmuskulatur und einer erhöhten Nervenempfindlichkeit zusammen.

Ja, denn die Ursache der Schmerzen ist oft eine dauerhaft angespannte Beckenbodenmuskulatur oder eine sensorische Überempfindlichkeit. Mit Physiotherapie lassen sich die Muskeln entspannen und das Nervensystem regulieren.

Das kann mit einer haltungsbedingten Belastung des Beckenbodens, Muskelverspannungen oder einer Nervenkompression zusammenhängen. Nach einer Untersuchung lassen sich Ihre Beschwerden mit geeigneten Übungen und Manueller Therapie lindern.

Nein, sie sind nicht rein psychisch bedingt, aber das Nervensystem und emotionaler Stress können die Schmerzen verstärken. Physiotherapie unterstützt die Verbindung zwischen Körper und Psyche und sorgt so für körperliche und seelische Entlastung.

Zum Einsatz kommen Manuelle Therapie, Atemübungen, Beckenbodenübungen, Entspannungstechniken und Methoden, die das Nervensystem ins Gleichgewicht bringen. Für jede Person wird ein individueller Plan erstellt.

Kräftig heißt nicht immer funktionsfähig. Auch eine dauerhaft zu stark angespannte Muskulatur verursacht Schmerzen; deshalb steht das „Gleichgewicht“ im Mittelpunkt. Dass sich Ihre Muskeln kräftig anfühlen, bedeutet also nicht, dass sie tatsächlich genug Kraft haben.

Nein! Mit der richtigen Untersuchung und einer ganzheitlichen Therapie ist es möglich, mit diesen Schmerzen umzugehen und sie sogar vollständig zu beseitigen.

Tuğçe Atalay

Autorin: , Fachphysiotherapeutin

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Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und Ihre Physiotherapeutin oder Ihren Physiotherapeuten.

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