Beckenbodenphysiotherapie bei chronischer Prostatitis

Beckenbodenphysiotherapie bei chronischer Prostatitis

Die chronische Prostatitis, auch chronisches Beckenschmerzsyndrom genannt, ist ein komplexes Krankheitsbild bei Männern mit lang anhaltenden Schmerzen in Leiste, Damm, Hoden, Penisspitze, Unterbauch oder unterem Rücken, oft begleitet von Blasen- und Sexualfunktionsstörungen. Besonders belastend ist, dass Untersuchungen häufig keine eindeutige Infektion und kein strukturelles Problem finden.

Deshalb pendeln viele Männer jahrelang zwischen

  • wiederholten Antibiotikakuren
  • wirkungslosen Nahrungsergänzungsmitteln
  • Untersuchungen, die mit „alles ist normal“ abgetan werden

hin und her.

Dabei stehen bei der chronischen Prostatitis häufig die Beckenbodenmuskulatur und das Nervensystem im Mittelpunkt des Problems. Genau hier setzt die Beckenbodenphysiotherapie an.

Kommt die chronische Prostatitis wirklich von der Prostata?

Auch wenn sie „Prostatitis“ heißt, gilt bei einem Großteil der Fälle von chronischer Prostatitis:

  • Es liegt keine aktive bakterielle Infektion vor
  • Im Prostatagewebe wird keine nennenswerte Entzündung festgestellt

In der modernen Fachliteratur wird dieses Bild inzwischen als chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS) bezeichnet.

Das Problem liegt also nicht nur in der Prostata, sondern zeigt sich

  • in der Beckenbodenmuskulatur
  • im umliegenden Bindegewebe
  • in der Schmerzwahrnehmung des Nervensystems

als Funktionsstörung.

Warum ist die Beckenbodenmuskulatur bei chronischer Prostatitis so wichtig?

Die Beckenbodenmuskulatur spielt eine aktive Rolle

  • bei der Blasenkontrolle
  • beim Stuhlgang
  • bei der Sexualfunktion
  • bei der Stützung der Beckenorgane

im Alltag.

Bei chronischer Prostatitis ist diese Muskulatur meist

  • dauerhaft angespannt
  • nicht mehr in der Lage, loszulassen
  • empfindlich und schmerzhaft

zugleich.

Stress, Sorgen, Angst vor Schmerzen und wiederholte schlechte Erfahrungen führen dazu, dass diese Muskeln auf schützende, aber schädliche Weise angespannt bleiben. Mit der Zeit verstärkt das Beschwerden wie:

  • Brennen
  • Stechen
  • Druck- oder Völlegefühl
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Schmerzen nach dem Samenerguss

und Ähnliches.

Warum helfen Antibiotika oft nicht?

Bei einer akuten bakteriellen Prostatitis sind Antibiotika notwendig.
Wenn jedoch bei chronischer Prostatitis Muskulatur und Nervensystem die Schmerzquelle sind, lösen Antibiotika das Problem nicht.

Deshalb erleben viele Patienten:

  • kurzfristige Linderung
  • danach kehren die Schmerzen zurück
  • das Gefühl „es geht nie weg“ führt zu Hoffnungslosigkeit

Ein muskulär bedingtes Problem erfordert jedoch eine Behandlung, die auf Muskulatur und Nervensystem abzielt.

Was bewirkt Beckenbodenphysiotherapie bei chronischer Prostatitis?

Beckenbodenphysiotherapie zielt nicht auf „Muskelkräftigung“ ab.
Im Gegenteil: Bei chronischer Prostatitis sind die Ziele meist Entspannung, Koordination und die Beruhigung des Nervensystems.

Im Laufe der Behandlung

  • wird der Tonus der Beckenbodenmuskulatur beurteilt
  • wird untersucht, ob die Muskeln unwillkürlich angespannt bleiben
  • wird das Zusammenspiel von Atmung, Zwerchfell und Beckenboden bearbeitet
  • werden schmerzauslösende Gewohnheiten erkannt

Mögliche Behandlungsansätze:

  • Manuelle Therapie und Weichteiltechniken
  • Training der Beckenbodenwahrnehmung
  • richtige Atem- und Entspannungstechniken
  • Biofeedback (bei Bedarf)
  • auf das Nervensystem ausgerichtete Übungen zur Regulation der Schmerzwahrnehmung

Ziel ist es nicht, die Muskeln zu „zwingen“, sondern dem Körper beizubringen, sich wieder sicher zu fühlen.

Der Kreislauf aus Stress – Nervensystem – Schmerz

Bei chronischer Prostatitis entsteht der Schmerz nicht nur im Gewebe.
Mit der Zeit nimmt auch das Nervensystem Schmerzen empfindlicher wahr. Man spricht von zentraler Sensibilisierung.

In diesem Fall kann schon

  • eine leichte Muskelanspannung
  • ein normalerweise schmerzfreies Gefühl

als starker Schmerz empfunden werden.

Beckenbodenphysiotherapie hat das Ziel, das Nervensystem aus dem „Daueralarm“ zu holen. Deshalb verbindet die Behandlung

  • Körperwahrnehmung
  • Atmung
  • Entspannung
  • sichere Bewegung

miteinander.

Wer profitiert von Beckenbodenphysiotherapie?

  • Männer mit einer seit Langem bestehenden Prostatitis-Diagnose
  • Männer, deren Schmerzen trotz Antibiotika nicht vergehen
  • Männer mit Brennen oder Pressen beim Wasserlassen
  • Männer mit Schmerzen nach dem Samenerguss
  • Männer, deren Beschwerden unter Stress zunehmen
  • Männer, die sagen: „Alles ist normal, aber meine Schmerzen gehen nicht weg“

Fazit: Chronische Prostatitis ist nicht nur ein Prostataproblem

Die chronische Prostatitis ist zu komplex, um sie auf ein einzelnes Organ zu reduzieren. Werden Beckenboden, Nervensystem und Stressbelastung nicht gemeinsam behandelt, bleibt die Therapie unvollständig.

Beckenbodenphysiotherapie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt,

  • die eigentliche Schmerzquelle zu verstehen
  • die Muskulatur neu zu trainieren
  • den Körper zu beruhigen
  • die Lebensqualität zu verbessern

Schritt für Schritt.

Wenn Sie seit Langem unter Beckenschmerzen, prostatitisähnlichen Beschwerden oder Blasen- und Sexualfunktionsstörungen leiden, kann Beckenbodenphysiotherapie ein wichtiger Schritt für Sie sein.

Tuğçe Atalay

Autorin: , Fachphysiotherapeutin

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Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und Ihre Physiotherapeutin oder Ihren Physiotherapeuten.

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